Vergleichende
Bevölkerungsumfragen in sechs europäischen
Ländern Verbrauchervertrauen in Lebensmittel
2002 - 2004 Contract No QLK1-CT-2001-00291 2
Die Bevölkerungsumfragen haben das Ziel, Unterschiede
im Verbraucher- vertrauen in sechs europäischen Ländern zu untersuchen.
Hierzu wurden mehrere Aspekte von Vertrauen abgefragt. Wir wollten wissen,
wie die Einschätzungen der Befragten zum Vertrauen in Lebensmittel zusammen-
hängen mit alltäglichen Essgewohnheiten, dem Einkaufsverhalten, persön-
lichen Schwerpunktsetzungen in Bezug auf unterschiedliche Lebensmittel-
eigenschaften und der Mobilisierung der Verbraucher als Bürger. Erste
Untersuchungen konzentrieren sich auf die unterschiedlichen Ausprägungen
von Vertrauen bezüglich • verschiedener Lebensmittelgruppen • der Akteure
in den Lebensmittelsystemen der Länder • der Sicherheit, der Qualität,
der Anbaumethoden und des Preis- Leistungsverhältnisses von Lebensmitteln
sowie der Ernährung der Verbraucher.
Zu den Bevölkerungsumfragen Im November
2002 wurden in Dänemark, Deutschland,
Großbritannien, Italien, Norwegen und
Portugal repräsentative Umfragen mittels
computer- gestützter telefonischer Interviews
(CATI) durchgeführt. Größe der Stichproben
1000 Befragte j eweils in Norwegen, Dänemark,
Portugal 1500 Befragte in Großbritannien
2000 Befragte jeweils in Deutschland
und Italien
Verbraucher haben in Hinblick auf Sicherheit
stärkeres Vertrauen in Gemüse und Obst als in Fleischprodukte unabhängig
davon, wo sie wohnen. Lebensmittel wie Hamburger von Fast-Food-Ketten,
Wurst und Speisen in Restaurants sind durch ein relativ geringes Maß
an Verbrauchervertrauen gekennzeich- net. Verarbeiteten Lebensmitteln
wie Burgern und Dosentomaten wird tendenziell weniger Vertrauen entgegen
gebracht als frischen, unverarbeiteten Lebensmitteln wie frischen Tomaten
und Rindfleisch. Jedoch variieren die Gesamtausprägungen von Vertrauen
deutlich (Index aus 12 Lebensmitteln). Gemessen an diesem Index finden
sich die vertrauensvollsten Verbraucher in Großbritannien, gefolgt von
Dänemark und Norwegen. In Deutschland und Portugal herrscht im Hinblick
auf Sicherheit das geringste Verbrauchervertrauen vor. Portugiesische
Verbraucher haben geringes Vertrauen in Fleisch aber hohes Vertrauen
in Gemüse, wie zum Beispiel Tomaten.
„Sind Sie der Meinung, dass die folgenden
Lebensmittel sehr sicher, eher sicher
oder nicht sehr sicher zu essen sind?"
Eier, Geflügel, Schweinefleisch, frisches Obst und Gemüse, frische Tomaten,
Dosentomaten, Rindfleisch, Bio-Rindfleisch, Wurst (zum Abendessen), Fast-Food-Burger,
fettarme Produkte und Speisen in Restaurants.
Prozentsatz derjenigen, die angaben,
dass die fol- genden Lebensmittel "sehr
sicher" zu essen sind (%) Burger
Rindfleisch Dosentom. Tomaten Index 12
Lebensm. O.Deutsch W.Deutsch Italien
Portugal Norwegen Dänemark GB Kumulierte Prozentwerte
Vertrauen in verschiedene Lebensmittelgruppen
Im Fall eines Lebensmittelskandals wird Verbraucherorganisationen,
Lebensmittelexperten und Regierungsbehörden am häufigsten zuge- traut,
dass sie die Wahrheit sagen. Den Informationen von Markt- akteuren wie
Landwirten, Supermarktketten oder der Lebensmittel- industrie dagegen
traut nur ein geringer Prozentsatz der Befragten. Die Rangfolge der Akteure
vom höchsten zum geringsten entgegen- gebrachten Vertrauen ist in allen
Ländern weitgehend identisch. Die Ergebnisse legen nahe, dass im Falle
eines Skandals neutralen Dritten – seien es Experten, Verbraucherschützer
oder staatliche Kontrolleure – höheres Vertrauen entgegen gebracht wird. Vertrauen in Lebensmittelakteure
"Stellen Sie sich vor, in Deutschland
herrschte ein Skandal in der Geflügelproduktion.
Glauben Sie, dass die folgenden Personen
und Einrichtungen Ihnen die ganze Wahrheit,
Teile der Wahrheit sagen oder Informationen
zurückhalten?"
Optimismus - Pessimismus
"Wie ist Ihr Eindruck allgemein?
Glauben Sie, dass im Vergleich zur Situation
vor 20 Jahren die Lebensmittel heute
besser oder schlechter geworden sind
oder hat sich eher nichts geändert im
Hinblick auf...?"
Prozentsatz derjenigen, die angaben,
dass die folgenden Akteure die Wahrheit
sagen (%) Verbraucher- organisationen
Lebensmittel- experten Lebensmittel- behörden Medien Landwirte Supermarktketten
Politiker Lebensmittel- industrie 71 56 41 44 14 16 11 6 73 65 47 52 19 10 14 6 63 53 29 27
9 4 3 1 62 53 30 20 9 4 2 1 45 44 36 24 25 17 8 10 62 45 31 26 9 10 4 7 66 49 26 39 10 6 4 8 62 51 34 32 14 10
7 6 Dänemark Norwegen W.Deut. O.Deut. GB Italien
Portugal Mittelwert
Prozentsatz der Befragten, die der Meinung
sind, dass sich Lebensmittel verschlechtert
haben hinsichtlich ... (%) Preis Geschm./Qualität
Anbaumethoden Ernährung
Sicherheit GB Dänemark Norwegen
W.Deut. O.Deut. Italien Portugal Kumulierte Prozentwerte Zwischen einem Drittel und einem Viertel der Verbraucher
sind der Meinung, dass sich zahl- reiche Aspekte von Lebensmitteln verschlechtert
haben, wie der Preis, der Geschmack und die Qualität, die Anbaumethoden,
die Ernährung und die Sicherheit. Verbraucher in Italien und Portugal
weisen das höchste Maß an Pessimismus auf. 60-80% dieser Personen geben
an, dass sich Preis und Geschmack/Qualität innerhalb der letzten 20 Jahre
verschlechtert haben. Deutlich weniger Befragte glauben, dass Lebensmittel
in Hinblick auf Sicherheit und Nährwert schlechter geworden sind. Pessimistische
Einschätzungen korrelieren in allen Ländern negativ mit der Ausbildung
von Verbrauchervertrauen.
Verbrauchervertrauen
in Lebensmittel. Eine europäische Studie
zu den sozialen und institutionellen
Bedingungen für die Entstehung von Vertrauen
(2002-2004) Das Ziel des Projekts ist es,
die sozialen und insti- tutionellen Bedingungen für die Entstehung und
Aufrechterhaltung von Verbrauchervertrauen in Le- bensmittel zu untersuchen.
Im Rahmen der Studie sollen diejenigen Faktoren identifiziert und analy-
siert werden, die die Bildung von Vertrauen in das Lebensmittelangebot
und in Informationsquellen fördern. Zu diesen Faktoren zählen die verschiede-
nen Rollen von Behörden, Marktakteuren, Verbrau- cherorganisationen,
Verbrauchern, Nicht-Regie- rungsorganisationen und den Massenmedien in
den Lebensmittelsystemen der beteiligten sechs Länder. Hierzu werden sowohl
(1) repräsentative Verbrau- cherbefragungen zur Fragestellung, wie Verbrau-
cher mit Vertrauen und Misstrauen in der Alltags- routine umgehen, durchgeführt,
als auch (2) quali- tative Erhebungen (Dokumentenanalyse, Experten- interviews)
zu den Rahmenbedingungen von Ver- trauen auf verschiedenen institutionellen
Ebenen (regional, national, EU). Detaillierter werden die Beziehungen
zwischen Verbrauchervertrauen und kollektiven Akteuren und Institutionen
im Lebensmittelsystem anhand der Lebensmittel Rindfleisch und Tomaten
beschrieben. Das Projekt liefert eine kritische Analyse alterna- tiver
Strategien zum Umgang mit Vertrauen und Misstrauen. Es berücksichtigt
die unterschiedlichen Bedingungen in verschiedenen Ländern Europas. Das
Projekt zielt darauf ab, eine politikrelevante Einschätzung der Rolle
von Bürgern und Verbrau- cherorganisationen bei der Artikulation von
Ver- braucherinteressen abzugeben, dies im Kontext europäischer Lebensmittelmärkte
und Lebens- mittelpolitik.
Das Konzept “Vertrauen” Verbraucherbefragung
in 6 Ländern Vergleichende Analyse Institutionenanalyse
Staaten, EU Strategien zur Stärkung
von Vertrauen Vermittlung der Ergebnisse
an Interessengruppen und die Öffentlichkeit
Die Struktur des Projekts
Unni Kjaernes
(Koordinator) The National Institute for
Consumer Research (SIFO) PO Box 4682, Nydalen N - 0405 Oslo - Norway Email:
unni.kjarnes@sifo.no
Roberta Sassatelli Dipartimento di Discipline
della Comunicazione Università di Bologna - Via Azzo Gardino, 23 I - 40122
Bologna - Italy Email: r.sassatelli@uea.ac.uk
Lotte Holm Royal Veterinary- and Agricultural
University (KVL) Research Department of Human Nutrition (FHE) Rolighedsvej
30 DK - 1958 Frederiksberg C-Denmark Email: lotte.holm@fhe.kvl.dk Bente Halkier Roskilde
University Centre Dept. of Communication, Journalism and Computer Science
P.O. Box 260 DK - 4000 Roskilde Email: bha@ruc.dk
Alan Warde, Mark Harvey ESRC Centre for Research
on Innovation and Competition CRIC, University of Manchester/UMIST Harold
Hankins Building - Booth Street West Precinct Centre UK - Manchester M13
9QH Email: Alan.Warde@man.ac.uk; Mark.Harvey@man.ac.uk
Pedro Graça The University of Porto Faculty
of Nutrition (FCNAUP) Rua Dr. Roberto Frias P - 4200-465 Porto - Portugal
Email: pedrograca@fcna.up.pt
Corinna Willhöft Federal Research Centre
for Nutrition and Food (BFEL) Institute of Nutritional Economics and
Sociology Haid-und-Neu-Strasse 9 D - 76131 Karlsruhe - Germany Email: corinna.willhoeft@bfe.uni-karlsruhe.de Verantwortliche
Projekt- partnerinnen und -partner Weitere
Informationen Christian Poppe and Unni Kjærnes (2003).
Trust in Food in Europe. A Comparative Analysis. Professional Report
n° 11-2003. National Institute for Consumer Research (SIFO). Besuchen
Sie auch unsere Webseite:
http://www.trustinfood.org und/oder wenden
Sie sich an die Projektkoordinatorin oder direkt an andere Projektpartnerinnen
und -partner
Dr. Achim Boenke · Scientific Officer European
Commission, DG Research; Directorate E - Biotechnology, Agriculture and
Food; Unit E.2 - Food Quality
Official address: European Commission, B-1049
Brussels Tel: (+32-2)-2 96 07 56 (direct line), (+32-2)-2 99 11 11 (exchange)
Fax:(+32-2)-2 96 43 22 Email: Achim.Boenke@cec.eu.int Internet:http://europa.eu.int/comm/dgs/
research/index_en.html Dieses Forschungsprojekt wird unterstützt von
der Europäischen
Kommission, Programm Lebensqualität und Management
lebender Ressourcen (QoL), Leitaktion 1 (KA1) Lebensmittel, Ernährung
und Gesundheit.
|